Selbst-Ausdruck durch sinnliche Erfahrung ermöglichen ...

Ziel meines maltherapeutischen Angebotes in stationären und teilstationären Einrichtungen mit Menschen unterschiedlicher Demenz ist das Wecken der Sinne durch Buntheit und Wohlgeruch der verwendeten Resonanzfarben - dies, um dem alten Menschen im Selbst-Ausdruck einen Weg zu weisen, der ihn in einem größeren Restwohlbefinden leben lässt.

Im ästhetischen Malakt, durch das sinnliche Wahrnehmen eigener Gestaltungsergebnisse sowie in der liebevollen Ermutigung und Akzeptanz während der therapeutischen Begleitung, erfährt der alte Mensch eigene Beantwortung, die er als heilsam spürt und erlebt.

Im Wandel der Wertschätzung ...

In der Kleingruppe kann eine Nähe und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, welches ästhetischen Ausdruck zulässt, der sich je nach individueller Möglichkeit des einzelnen dementen Menschen auch lebensbiographisch äußern darf.

So aus sich herausgestellte Bruchstücke eigener Lebenserinnerung oder aktueller Lebensgegenwärtigkeit schaffen eine ganz eigene Ausdrucksqualität.

Wenn dann gar diese Arbeiten wertgeschätzt werden, indem man sie in Ausstellungsform der Öffentlichkeit präsentiert, kommt dies einer Teilhabe am Leben gleich, derer gerade der alte Mensch dringend bedarf.

... zu einer neue Identität

Uns als außenstehenden Bildbetrachtern ermöglichen die ästhetischen Arbeiten Einblicke in eine nonverbale Welt gerade dieses Menschen mit seinen oft so unzureichend gewordenen sprachlichen Mitteilungsmöglichkeiten.

Bei abnehmenden intellektuellen Fähigkeiten bleibt jedoch noch lange Zeit die emotive Basis des Menschen unberührt, d.h. er lebt in Gefühlen und sinnlicher Empfänglichkeit.

In der ästhetischen Erfahrung offenbaren sich Anmut und Würde des Alters und sie vermittelt Menschen in fortgeschrittenen Lebensjahren intensive Momente eigener Identität.

lebenslauf

einzigartig
die flucht
ins freie

immer rascher
die reisen
die aufenthalte
begrenzter.

der preis zur
weiterfahrt
steigt ständig.

begleiter sterben
oder fallen zurück.

wer bleibt
rückt näher.

richard exner

Kunsttherapie für Menschen mit Demenz